28 Montagsdemos haben inzwischen im Terminal 1 des Flughafens stattgefunden. Bis Ende des Jahres sind für jeden Montag weitere Demos angemeldet. Und momentan gibt es keinen Grund anzunehmen, dass dies eine zu optimistische und voreilige Planung sein könnte. Denn ungebrochen ist nicht nur der Lärm, sondern auch die Wut und Zorn vieler Betroffener.
Ein stabiler Kern von mindestens 2 000 Menschen besucht weiterhin regelmäßig die Montagsdemos. Die Proteste werden nach wie vor nicht nur durch die mediale Beachtung bestärkt. Der Bürgerentscheid in München hat ein Votum gegen eine dritte Bahn am dortigen Flughafen erbracht, viele sehen darin ein Zeichen für eine beginnende Neubewertung von Fluglärm und eine Bestärkung ihres Durchhaltewillens.
Der drohenden Langeweile durch inhaltliche Stagnation wird mit kreativen Einlagen begegnet. Die jeweils vorbereitenden Bürgerinitiativen geben sich erfolgreich Mühe mit Musik- und Kabaretteinlagen etwas Abwechslung in die montägliche Demoroutine zu bringen.
Auch anderntags mangelt es nicht an öffentlichkeitswirksamen Aktionsideen: ein Lärmmobil sorgt vor den Wohnstätten von verantwortlichen Politikern und Fraportmanagern für Stimmung. In Originallautstärke werden dann die Fluggeräusche aus der Einflugschneise übertragen (wobei die Polizei auch dabei nicht vergisst, Auflagen bezüglich der Anfangszeiten und der Lautstärke zu machen). Auf der Aktionärsversammlung von Fraport im Mai traten kritische Aktionäre auf, der Versammlungsort war durch ein Spalier von Protestierenden zu betreten. In Mainz demonstrierten am 16. Juni mal eben 10 000 Menschen gegen Fluglärm und 1 Woche später beteiligten sich rund 5 000 Leute an einer Menschenkette am Mainufer in Frankfurt; zum Sommerurlaubsbeginn nächtigten AusbaugegnerInnen im Flughafen, weil sie es zu Hause zu laut finden.
Holidays at the airport
Für die Sommerferien und damit angesichts wahrscheinlich vorübergehend schmalerer Beteiligung an den Montagsdemos hat das Bündnis der Bürgerinitiativen nun Mahnwachen der besonderen Art angemeldet: "Wir bringen alles mit, was wir sonst mit an den Badesee, ins Schwimmbad, in den Garten nehmen, also alle Utensilien zur Erholung und Freizeitgestaltung im Freien: Sonnenschirm, Luftmatratze, Frisbeescheiben, Federballspiel, Kaffee und Kuchen, überhaupt Getränke, vielleicht macht jemand Cocktails, etc. Das Grillen ist noch in der Erörterungsphase mit dem Ordnungsamt. Schauen wir mal!"
Diese Idee spiegelt indirekt auch einen Faktor, der die Kontinuität der Proteste begünstigt: Es geht vielen auch um sozialen Zusammenhang und Spaß beim gemeinsamen Protest. Die Anfahrt in den S-Bahnzügen zu den Demos wirkt öfter wie ein relativ entspannter Betriebsausflug, Menschen haben sich durch die Aktionen kennengelernt, sind sich näher gekommen und erleben gemeinsam etwas Gutes: Zusammenhalt.
Diese positive Darstellung soll die Beschränktheit und Fragwürdigkeit mancher Äußerungen und mancher Akteure des Protestspektrums nicht vergessen machen. Es wird oft eine populistische Parteienschelte betrieben, die eine offene Flanke für Zustimmung seitens rechter Leute hat. Gewinnstreben wird in erster Linie dann kritisiert wenn man es auf das eigene Leiden unter Fraports Unternehmenspolitik beziehen kann.
Dass aber insgesamt ein emanzipativer, gegenüber anderen Bewegungen solidarischer und nicht ausgrenzender Tenor herrscht ist nicht zuletzt ein großer Verdienst der alten BI- Strukturen, in denen eben linke und aufgeschlossene AktivistInnen Verantwortung übernommen haben und weiter übernehmen.
Begegnungen der dritten Art: black block meets FluglärmgegnerInnen versus Petra Roth
Was Appelle in dieser Zeitung nicht bewirken schafft, die (ehemalige) Frankfurter Oberbürgermeisterin: der schwarze Block versucht sich zu einer Kundgebung von FluglärmgegnerInnen durchzudrängeln und diese freuen sich wenn das klappt! So geschehen am 11. Juni. Die große Roth-Verabschiedung mit Merkel, Bouffier, Koch und wie sie alle heißen brachte die Bürger-Inis auf die Idee die Montagsdemo auf den Paulsplatz zu verlegen. Noch ganz im Rausch der Blockupy- Verbotsorgie wurde auch diese Demoanmeldung verboten. Erst vor Gericht wurde der Kundgebungsort durchgesetzt, allerdings nur unter strengen Auflagen bezüglich der Lautstärke der Veranstaltung. Da es nur wenige Demoauflagen gibt, die FluglärmgegnerInnen so zur Weißglut bringen, wurde sich daran demonstrativ und unter großem Jubel nicht gehalten, die Anlage aufgedreht und ansonsten wie üblich tapfer gepfiffen und gehupt.
Unterdessen hatte ein etwa hundertköpfiger "black block" schon munter die Polizeiketten in der angrenzenden Braubachstraße mit Schaumstoffpflastersteinen angegriffen, wiederholt aber vergeblich die Bullen aufgefordert endlich die Helme aufzusetzen, und auch sonst nach Kräften versucht die Ordnungskräfte beim "sich-lächerlich-machen" zu unterstützen. Diese nahmen dankend an und versuchten schließlich dem "black block" den Zugang zum Paulsplatz zu verwehren, was zu schlussendlich erfolgreichen Solidarisierungsbekundungen seitens der Fluglärmdemo führte.






